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Fotografien halten einen Zeitpunkt, manchmal gar ein Stück Zeitgeschichte fest.

Über Jahre und Jahrzehnte bleibt die Fotografie gleich, oft aber ändert sich der Blick auf die Begebenheit. Diesen veränderten Blick möchte Nicole Werth in ihren Arbeiten von Fotografien mit Farbe zeigen.

Mit Verfremdung und abstrakter Bearbeitung von Fotografien beschäftigt sich Werth seit 2001. Damals stand sie an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Aus privaten Gründen hatte sie sich nach zwanzig Jahren aus der Welt der Mode zurückgezogen. Angst begleitete sie bei dieser Entscheidung – Angst, dem Sog jenes Spektakels nicht gänzlich entfliehen zu können. Aus dieser Situation heraus entwickelte Werth für sich eine Technik der Distanzierung. Sie attackierte zwei Meter mal drei Meter große Werbefotografien mit Farbe. Unregelmäßig und sich überlagernd floss die Farbe über die Bilder und bildete die erste Schicht einer Entfernung.

Anschließend übermalte Werth die so bearbeiteten Bilder fast vollständig mit abstrakten Motiven. Neben der veränderten visuellen Ebene entwickelte sich eine zweite haptische, die den Verlauf der einzelnen Lagen deutlich erkennen ließ. Die Weiterentwicklung offenbarte sich in einem dritten Schritt. Mit Rasierklingen und ätzenden Säuren legte Werth die ursprünglichen Bilder teilweise wieder frei, ohne dabei das Ursprungsmotiv zu schonen.

Nun zeigte sich eine Hochglanzwelt, die in Werths Augen eher der Wirklichkeit entspricht: eine Gesellschaft, die unter ihrer scheinbaren Makellosigkeit große Verletzungen und Narben trägt.






Nach dem Prinzip dieser Bearbeitung fand Werth weitere Grundlagen in den Bildern des F.A.Z.-Fotografen Helmut Fricke. Fricke war im September 2001 in New York, um auf der Fashion Week zu fotografieren. Dann flogen die Flugzeuge ins World Trade Center. Er blieb stehen als Menschen mit Aktenkoffern unterm Arm erst vor den Flammen und dann vor den einstürzenden Türmen flüchteten und drückte auf den Auslöser seiner Kamera. Immer wieder.

Werth hatte Frickes Bilder vom 11. September und den Tagen danach in ihren Räumen ausgestellt, sie immer wieder angeschaut – auch fasziniert von der Ästhetik, die im Unfassbaren und in der Bürde der Betroffenen lag. Doch sie hatte sich auch immer wieder abgewendet, wie viele der Besucher. Erst nach den Anschlägen in Paris am 13. November 2015 war ihr klar, dass die Bilder weitere Ausgangssituationen für Ihre Kunst sein würden. In den Ereignissen am 11. September spürte sie den Beginn eines für sie und die Gesellschaft veränderten Lebens mit einer nahezu immerwährenden Terrorbedrohung in allen Bereichen des Alltags – den Beginn einer sich verändernden Kultur.

Die in den Werken aufgebrachten Farbschichten sind ein Ausdruck von Emotionen im Widerstreit mit sich und den darunter liegenden Schwarz-Weiß-Fotografien. Aus ihnen heraus tauchen Konturen von Körpern auf. Sie stehen für die vielen Menschen auf der Welt, die von dem Terror getroffen wurden, ohne dass sie selbst zu direkten Opfern wurden. Werths Bilder sind auch ein Ruf nach Frieden. Ein neues Peace-Zeichen findet sich, als Marke oder eine Art Stempel – zwei umkreiste Eiffeltürme versetzt nebeneinander erinnern an die Twin Towers und schaffen so eine Verbindung der Ereignisse und dem Streben nach Frieden.

Ein Werk — zwei Künstler





Nicole Werth
Feldbergstr. 18
63165 Mühlheim am Main
Telefon: +49 (0) 177 2222 345
E-Mail: work@nicolewerth.de